Ausstellung



El Greco: Der Heilige Martin und der Bettler, um 1597/99 © Courtesy National Gallery of Art, Washington

Der Übergang zum Barock


Die erste Sektion behandelt die bedeutendsten Kunstzentren der Malerei und der Bildhauerei unter der Herrschaft Philipps III. (1598-1621)


Durch den starken Einfluss El Grecos nimmt die ehemalige kastilische Hauptstadt Toledo in dieser Phase eine Sonderstellung ein. Eine wichtige Rolle spielt dort aber auch Juan Sánchez Cotán. Gemeinsam mit dem Madrilenen Juan van der Hamen y León ist er von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Stilllebens, des bodegón, zu einem weit verbreiteten Genre.

Die Etablierung des Hofs in Madrid ab der Mitte des 16. Jahrhunderts führt zu einem kräftigen Aufblühen der Wirtschaft und starkem Bevölkerungswachstum, wodurch naturgemäß auch zahlreiche Künstler angezogen werden. Die bedeutendsten Maler Madrids, Vicente Carducho und Eugenio Cajés, befreien sich sukzessive von den zuvor noch dominierenden italienischen Einflüssen, indem sie diese mit Elementen aus der spanischen Volksfrömmigkeit verbinden. Der zwischenzeitliche Wechsel des Hofs nach Valladolid in den Jahren 1601 bis 1606 stößt dort die Herausbildung einer eigenständigen kastilischen Bildhauerschule an, die allerdings nahezu ausschließlich religiösen Themen verpflichtet ist. Herausragende Figur dieses Zentrums der Bildhauerei wird Gregorio Fernández, der als erfolgreichster spanischer Bildhauer des Jahrhunderts gelten kann.

Infolge der Dominanz kirchlicher Auftraggeber zeigt sich die unter merklichem italienischem Einfluss stehende Kunst Valencias stark dem gegenreformatorischen Geist verpflichtet. Francisco Ribalta und seine Werkstatt entwickeln hieraus eine sehr eigenständige, von Pathos geprägte Darstellungsweise, die José de Ribera stark beeinflussen wird.

Auch im reichen und kosmopolitischen Sevilla, der mit Abstand größten Stadt im Spanien dieser Jahre, ist die Kirche der bedeutendste Auftraggeber von Kunstwerken. Die lokalen Künstler versorgen aber nicht nur die zahlreichen Konvente und religiösen Stiftungen der Hafenstadt mit ihren religiösen Bildern, sondern produzieren zugleich auch für Amerika bestimmte Exportware. Die in Sevilla tätigen Maler Francisco Pacheco und Juan de Roelas sind Lehrmeister und Inspirationsquellen für die wichtigsten Künstler der nachkommenden Generation: Velázquez, Zurbarán und Murillo. Darüber hinaus ist Sevilla das zweite Zentrum der spanischen Bildhauerei. Wie auch in Valladolid finden die hier geschaffenen Skulpturen vornehmlich im religiösen Kontext Verwendung. Bedeutendster Vertreter der Sevillaner Bildhauerschule ist Juan Martínez Montañés, dessen Werke tiefgründigen Realismus und anmutige Erscheinung verbinden. Diese fundamentalen Charakteristika werden die andalusische Skulptur bis ins 18. Jahrhundert prägen

Diego Velázquez: Mars, nach 1641
© Museo Nacional del Prado

Die Generation der großen Meister


In der zweiten Sektion stehen die künstlerische Blütezeit des Siglo de Oro sowie ihre Zusammenhänge mit den Intentionen der politischen und religiösen Machteliten unter Philipp IV. (1621–1665) im Fokus.

Unter dem Einfluss seines Günstlings, dem Conde-Duque de Olivares, entwickelt sich die Kunst während der Herrschaft Philipps IV. zu einem zentralen Element politischer Propaganda. Durch zielgerichtete Maßnahmen wird das mittlerweile zur Metropole herangewachsene Madrid zum künstlerischen Zentrum Spaniens. Die Stadt wird Tummelplatz und Treffpunkt für eine neue Malergeneration, der gleich eine ganze Reihe besonders begabter Künstler angehört. Diese pflegen untereinander einen ungewöhnlich regen Austausch, zugleich entwickelt aber jeder von ihnen eine eigenständige künstlerische Sprache. Bedeutendster Repräsentant dieser Phase ist Diego Velázquez, der auf kein Genre festgelegt ist und insbesondere in der Porträtmalerei Herausragendes leistet. Zeitgleich etablieren Diego Polo und Antonio de Pereda in der Hauptstadt eine Tendenz zu einer intensiven Farbpalette, welche die folgende Generation nachhaltig prägen wird.

Das ehemalige wirtschaftliche Kraftzentrum Sevilla wird von den kriegerischen Konflikten mit Portugal und der Pestepidemie der Jahrhundertmitte in ganz besonderem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch bleibt es die bedeutendste Stadt Andalusiens und übt dort auch im künstlerischen Bereich weiterhin die größte Ausstrahlung und Anziehungskraft aus. Die wichtigsten Künstler aus der Region, wie Francisco de Zurbarán und Alonso Cano, arbeiten nun aber auch am Hof in Madrid. Zurbarán entwickelt für seine religiösen Darstellungen eine besondere Bildsprache, die sich den von Francisco Pacheco und Juan de Roelas eingeführten Milieuschilderungen annähert. Deren Vorbild wird in der letzten Phase dieses Zeitabschnitts besonders auch für die Kunst Murillos wegweisend. Der vielseitig begabte Cano, der zur Jahrhundertmitte in seine Geburtsstadt Granada zurückkehrt, ist sowohl als Maler, als Bildhauer und als Architekt tätig. In seinem Werk befruchten sich die künstlerischen Ziele dieser Medien auf besondere Weise gegenseitig.

Aus der Region Valencia stammt Jusepe de Ribera. Er verbringt zwar den größten Teil seines Künstlerlebens in Italien, seine Werke finden aber Eingang in die königliche und in aristokratische Sammlungen. Hierdurch üben seine Maltechnik und seine ikonographischen Konzeptionen großen Einfluss auf Velázquez, Zurbarán und Murillo aus.

José de Mora:
Jungfrau der Einsamkeit, um 1671
© Museo Nacional de Escultura

Die Künstler des Hochbarock


Die letzte Sektion behandelt die Konzentration künstlerischer Aktivitäten in Madrid als Konsequenz demografischer, ökonomischer und politscher Entwicklungen.

Während die unter Philipp IV. begonnene Politik der Zentralisierung unter der Herrschaft seines Sohnes Karl II. (1661–1700) konsequent ausgebaut wird, leiden nahezu alle anderen größeren spanischen Städte an Bevölkerungsschwund und Verlust von Wirtschaftskraft. Hierdurch kommt es in der Provinz zu einem deutlichen Niedergang künstlerischen Mäzenatentums.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen in diesem Zeitraum in Madrid jene vier Künstler, die am Hof ihre größten Erfolge feiern: Francisco de Herrera “El Mozo” sowie Francisco Rizzi und Claudio Coello als Schöpfer großmaßstäblicher Trompe-l’œil-Dekorationen in Freskotechnik und Juan Carreño de Miranda als Hofporträtist König Karls II.

Für den sevillanischen Hochbarock waren insbesondere zwei Figuren prägend: Bartolomé E. Murillo und Juan de Valdés Leal. Merklich von der sie umgebenden sozialen Realität berührt, folgen sie dem von Francisco Pacheco sowie Juan de Roelas vorgezeichneten und später von Francisco de Zurbarán fortgeführten Weg eines besonderen Interesses am alltäglichen Leben. Ihre üppigen Kompositionen sind vor allem im Werk von Valdés Leal von Dramatik und extremem Naturalismus gekennzeichnet. Aufgrund der überwiegend religiösen Auftraggeber in Sevilla haben zahlreiche ihrer Werke den Charakter von Andachtsbildern.

Die Bildhauerei jener Phase hat ihren bedeutendsten Vertreter in Pedro de Mena, der ebenso wie Alonso Cano aus Granada stammt und in Sevilla ausgebildet wird. Bereits Cano hatte seinen Wirkungsradius durch regelmäßige Reisen stark erweitert. Von diesem Vorbild ausgehend, baut Mena seine Werkstatt zu einem richtiggehenden Unternehmen aus, das über Repräsentanten vor Ort die gesamte iberische Halbinsel mit Skulpturen beliefert.