Ausstellungen



Fiesta in Sevilla. Eine Illustrationsfolge des Goldenen Zeitalters in Spanien

Matías de Arteaga y Alfaro, Ansicht der Giralda von Sevilla, 1672, Radierung
Matías de Arteaga y Alfaro, Ansicht der Giralda von Sevilla, 1672, Radierung © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz

26. April - 17. Juli 2016
Kupferstichkabinett in der Gemäldegalerie


Im Mai des Jahres 1671 fand in Sevilla eines der prunkvollsten Feste des Goldenen Zeitalters in Spanien statt. Die Heiligsprechung König Ferdinands III. (1199-1252), genannt El Santo – Der Heilige, wurde in großer Pracht begangen. Die wichtigsten Künstler Sevillas entwarfen aufwendige ephemere Festarchitekturen zur Ausschmückung der Kathedrale, die sich so in eine Art barockes Theater verwandelte. Eine ausführliche Beschreibung der Feierlichkeiten liefert uns der Dichter Fernando de la Torre Farfán in seinem Buch "Fiesta de la S. Iglesia metropolitana y patriarchal de Sevilla, al Nuevo culto de Señor Rey S. Fernando el tercero de Castillo y de León", das 1671 in Sevilla gedruckt wurde. Auch hier arbeiteten die Künstler der Stadt zusammen und schufen eine Anzahl zum Teil sehr großformatiger Radierungen zur Illustration des Werkes.

Diese wurden auch unabhängig vom Buch als eigenständige Kunstwerke der Druckkunst vertrieben und gesammelt. Sie dokumentieren nicht nur das Heiligsprechungsfest von 1671, sondern sie stellen darüber hinaus selbst ein bemerkenswertes Monument der Radierkunst des spanischen 17. Jahrhunderts dar. Einige der Blätter zählen zu den besten Beispielen der künstlerischen Druckgraphik, des grabado pintoresco, dem sich in dieser Zeit nur sehr wenige Künstler in Spanien widmeten. Mit monumentalen Architekturdarstellungen, repräsentativen Porträts und hieroglyphisch-rätselhaft anmutenden Emblemata, bieten sie zudem einen äußerst ungewöhnlichen und abwechslungsreichen Blick in Sevillas Goldenes Zeitalter.

Eine Kabinettausstellung des Kupferstichkabinetts in der Gemäldegalerie.

Die Habsburger in Spanien. Porträtgrafik des Goldenen Zeitalters

Porträt des Philipp IV., König von Spanien, Kupferstich von Gilles Hendricks nach Peter Paul Rubens
Porträt des Philipp IV., König von Spanien, Kupferstich von Gilles Hendricks nach Peter Paul Rubens © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

20. Juni - 31. Juli 2016
Kunstbibliothek


Die Vitrinenausstellung stellt eine Auswahl von Porträtgrafik des 17. Jahrhunderts vor, fokussiert auf Porträts der habsburgischen Ära in Spanien. Die grafische Porträtsammlung der Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek wurde vom Berliner Verleger und Sammler Franz von Lipperheide (1838 – 1906) ab den 1880er Jahren mit großem Engagement aufgebaut. Gemäß den erhaltenen Inventarbüchern erwarb Lipperheide bereits 1880 rund 6000 Einzelporträts des 16. bis 19. Jahrhunderts bei einem spezialisierten Kunsthändler in Nürnberg. Neben Einzelblättern (Kupferstiche, Radierungen, Schabkunstblätter, Lithografien und Reproduktionsgrafik) sind auch in historischen Quellenwerken zahlreiche Porträts enthalten. Eine umfangreiche Sammlung früher fotografischer Porträts (Carte de Visite und Kabinettformat) der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließt sich an. Der Gesamtbestand an Porträts der Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek dürfte sich auf rund 20.000 Blatt belaufen. Die Erschließung dieser Porträtsammlung ist seit mehreren Jahren eines der Inventarisierungsprojekte der Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek und noch längst nicht abgeschlossen. Rund 2.000 Einzelblätter (Fotografie und Druckgrafik) können bereits über die Online-Präsenz der Staatlichen Museen zu Berlin (www.smb-digital.de) recherchiert werden.

Reencuentros. Dialoge mit dem Siglo de Oro

Detail aus der Inszenierung "Entzauberung der Welt" von Anna Talens © Anna Talens

1. Juli - 30. Oktober 2016
Eingangshalle Kulturforum

Bei "Reencuentros" (zu Deutsch Wiederbegegnungen) handelt es sich um ein Projekt des Dialogs zwischen der Kultur des Siglo de Oro und der zeitgenössischen spanischen Kunst. Anna Talens, Pablo Alonso und Alex Arteaga, drei spanische Künstler mit internationalem Renommee, alle wohnhaft in Berlin, beteiligen sich am Ausstellungsprojekt "Reencuentros" mit drei Installationen, die den Dialog mit den Alten Meistern suchen.

Die Werke der drei ausgewählten Künstler befassen sich mit dem Barock in seiner weitesten Begriffsfassung, vom künstlerischen bis zum philosophischen Blickwinkel, mit Mitteln, die die konzeptuelle, die materielle sowie die technische Ebene einschließen.

Das Projekt versteht sich als offener Dialog, der es dem Betrachter erlauben wird, die radikale Transformation der Sprache der spanischen Kunst 400 Jahre später und gleichzeitig die Spuren der Vergangenheit in zeitgenössischen Werken zu beobachten, sowohl die Verbindungen und Ähnlichkeiten, als auch die Brüche mit der Tradition. Dabei dienen die zeitgenössischen Künstler dem Besucher als Übersetzer, indem sie die Blickwinkel auf die barocke Sprache erweitern und so ein tieferes Verständnis fördern

Der Eintritt ist frei.

Artesanía Artística – Spanische Impressionen

Kabinettschrank (Escritorio) (Detail), Spanien (Granada?), um 1500 © Staatliche Museen zu Berlin / Achim Stiegel

1. Juli – 30. Oktober 2016
Kunstgewerbemuseum


Parallel zur zentralen Ausstellung "El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez" in der Gemäldegalerie zeigt das Kunstgewerbemuseum am Kulturforum Meisterwerke spanischen Kunsthandwerks. Im Mittelpunkt stehen kostbare Lüsterkeramiken mit einem von maurischen Traditionen beeinflussten neuen Glasurstil, reich ausgestaltete Möbel mit teppichhaft-dichtem maurischem Mosaikeinlagen und feinste Gold- und Seidenstickereien, ausgeführt in den königlichen Ateliers des Escorial. Es sind beeindruckende Beispiele für prächtigstes spanisches Kunsthandwerk im "Goldenen Jahrhundert".

So umfasst die Sammlung des Kunstgewerbemuseums schöne Beispiele für „Goldene Keramik“, jene Goldlüsterware orientalisch-maurischen Ursprungs, die im 15. Jahrhundert in Valencia eine Blüte erlebte und nach Italien und andere europäische Länder exportiert wurde. Ohne das Vorbild dieser weiß glasierten, bemalten und lüstrierten Keramiken wäre die italienische Renaissancemajolika nicht denkbar. Daher werden in der Ausstellung die spanischen und italienischen Majoliken in direkter Korrespondenz gezeigt. Auch die im Sammlungsbestand reich vertretenden spanisch-maurischen Fliesen machen die Rolle Spaniens beim Transfer orientalischer Techniken und Dekore nach Europa deutlich. Im 19. Jahrhundert erfuhren die alten spanisch-maurischen Handwerkstraditionen eine Renaissance. Ausblickhaft soll dieser Aspekt anhand einiger Beispiele historistischer Metallarbeiten veranschaulicht werden.

Ergänzt wird diese in die ständige Ausstellung des Kunstgewerbemuseums integrierte Präsentation durch eine Studioausstellung über den spanischen Modeschöpfer Cristóbal Balenciaga (1895-1972) auf der Modegalerie. Sackkleider, Ballonkleider, Modelle im Kimonoschnitt und große Roben, inspiriert von den Künstlern seiner spanischen Heimat, wie Velazquez oder Goya, verdeutlichen die richtungsweisenden Entwürfe dieses "Architekten der Mode", der insbesondere für seine perfekte Schnittkunst gerühmt wurde.

Kuratorenführungen:
21.07.2016, 16.30 Uhr | Goldleder aus Spanien. Luxuriöse Wandbekleidung in ganz Europa
                                           Prof. Dr. Sabine Thümmler (Direktorin Kunstgewerbemuseum)                                         
18.08.2016, 16.30 Uhr | Von Spanien nach Italien. Zur Geschichte und Verbreitung der Majolika
                                           Dr. Claudia Kanowski (wiss. Mitarbeiterin Kunstgewerbemuseum)
22.09.2016, 16.30 Uhr | Cristóbal Balenciaga und das Siglo de Oro
                                          Christine Waidenschlager (wiss. Mitarbeiterin Kunstgewerbemuseum)
20.10.2016, 16.30 Uhr | Dr. Achim Stiegel, Spaniens Möbelkunst in Renaissance und Barock

La Guitarra Española

Detail einer Gitarre von Joseph Massaguer, Barcelona, 1758, Kat.-Nr. 5265

7. Juli - 11. September 2016
Musikinstrumenten-Museum


Parallel zu den Meisterwerken von Velázquez, El Greco, de Zurbarán und Murillo und Co. vollzog sich auch in der spanischen Musik eine entscheidende Entwicklung. Das aus der Familie der Kastenhalslauten stammende Zupfinstrument, heute gemeinhin als Gitarre bekannt, wandelte sich zum Nationalsymbol spanischer Musik.

In der Kabinettausstellung werden wertvolle historische Gitarren aus der Sammlung des Musikinstrumenten-Museums zu sehen sein und ihre Geschichte erzählt. Der Besucher erhält zudem Einblicke in Leben und Werk von Santiago de Murcia (1685 – 1732?), Gaspar Sanz (1640 – 1710?) und Francisco Guerau (1649 – 1722), die zu den beliebtesten und erfolgreichsten Komponisten spanischer Gitarrenmusik gehören. Literatur zu Instrumentenbau und Spielweise, Kompositionen sowie die Verbindungen der Komponisten und Virtuosen zum spanischen Hof werden in Dokumenten und Tonaufnahmen vor Augen und Ohren geführt. Präsentiert werden außerdem bildgebende Verfahren und andere Untersuchungsmethoden (z.B. Dendrochronologie), die bei der Restaurierung historischer Gitarren eine wichtige Rolle spielen.

José de Ribera – die Druckgraphik. Er war jung und brauchte das Geld

José de Ribera, Trunkener Silen, Radierung, 1628
José de Ribera, Trunkener Silen, Radierung, 1628 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

19. Juli - 6. November 2016
Kupferstichkabinett in der Gemäldegalerie


José (Jusepe) de Ribera (1591-1652) gilt als der beste spanische Druckgraphiker vor Goya und als einer der virtuosesten Radierer des 17. Jahrhunderts schlechthin. Dies ist umso erstaunlicher, als wir eigentlich nur 18 Radierungen von seiner Hand kennen. Seine druckgraphische Karriere scheint zudem auf den relativ kurzen Zeitraum zwischen 1620 und 1630 beschränkt gewesen zu sein. Die Tatsache, dass er seine Radierungen innerhalb nur einer Dekade und eher zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn geschaffen hat, legt die Vermutung nahe, dass diese für ihn eine Möglichkeit waren, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, während er als junger spanischer Künstler in Italien Fuß zu fassen versuchte. Mit Hilfe der Druckgraphik konnte er seine Kunst einem breiteren Publikum bekannt und potentielle Auftraggeber auf sich aufmerksam machen. Allerdings zeichnen sich Riberas Drucke durch eine derart souveräne Beherrschung der Technik und Durchdringung der spezifisch graphischen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums aus, dass sein Interesse daran kaum rein finanziell und oberflächlich gewesen sein kann. Als versierten Zeichner muss ihn besonders die spontane skizzenhafte Anmutung der Radierung angesprochen haben. So gilt Ribera bis heute als der wichtigste spanische peintre-graveur, was er aber erst in Italien und in der dort besonders ausgeprägten Kultur der künstlerischen Druckgraphik werden konnte. Kurioserweise bilden die Blätter des Spaniers somit den Glanzpunkt der italienischen Radierkunst des 17. Jahrhunderts. Eine Auswahl der interessantesten Blätter ist in dieser Kabinettausstellung zu sehen.

Eine Kabinettausstellung des Kupferstichkabinetts in der Gemäldegalerie.

Jean Laurent: ... © Ibero-Amerikanisches Institut

Architektonische Impressionen aus Spanien. Historische Fotografien von Jean Laurent

27. August - 28. September 2016
Ibero-Amerikanisches Institut, Lesesaal


Faszinierende Zeitdokumente sind die architektonischen Aufnahmen, die der französische Fotograf Jean Laurent (1816-1886) im Auftrag der spanischen Regierung fertigte, um den technischen Fortschritt des Landes zu dokumentieren. 1867 beeindruckten sie auf der Weltausstellung in Paris. Von besonderem künstlerischem Wert sind Laurents Aufnahmen der Alhambra, Kompositionen, die durch den virtuosen Einsatz von Licht und Schatten bestechen. In den Beständen des Ibero-Amerikanischen Instituts befindet sich eine einmalige Sammlung dieser Fotografien.






A un paso de Berlín. Eine Station vor Berlin

Ohne Titel, 2016 © Carlos Collado

7. Oktober – 16. Dezember 2016
Instituto Cervantes Berlin und im Showroom von Pixel Grain

Eröffnung: Donnerstag, 6. Oktober 2016, 19 Uhr

Die Ausstellung „A un paso de Berlín. Eine Station vor Berlin“ zeigt einen persönlichen Blick auf ein barockes Kunstwerk und dessen Welt und reflektiert zugleich über unterschiedliche Wahrnehmungen in Abhängigkeit von Funktion und Kontext. Im Mittelpunkt dieser Reflexion steht das Figurenensemble „Gang zum Kalvarienberg“ von Gregorio Fernández, das zu den zentralen Exponaten der Ausstellung „El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“ in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin gehört.

Die Skulpturengruppe hat Spanien dafür erstmals verlassen und ihre eigene Reise in die Welt der Sonderausstellungen begonnen. Der Fotograf Carlos Collado hat diese Reise mit seiner Kamera begleitet und ermöglicht so einen ungewöhnlichen Blick auf drei sich ergänzende Schauplätze: das Museo Nacional de Escultura in Valladolid, die Straßen Valladolids während der Osterprozessionen und die Gemäldegalerie.

Hinter dem Projekt steht die These, dass es grundlegende Unterschiede in der Wahrnehmung eines Werkes durch die jeweiligen Betrachter gibt. Ob Kunstbetrachter, Gläubige und Angehörige der Laienbruderschaften oder Restauratoren – jeder begegnet den Skulpturen mit anderen Augen. Die unterschiedlichen Perspektiven laden anhand eines einzelnen Werkes ein zu einer Reflexion über die Kunst und unser Verhältnis zu ihr. Zugleich geben sie Gelegenheit, den Barock, den Backstagebereich der Museen und den Museumsbesucher selbst, neu zu entdecken.

Carlos Collado, geboren 1977 in Barcelona, Spanien, studierte ursprünglich Biologie. Nach autodidaktischen Studien und der Teilnahme an einem Workshop der Agentur Magnum Photos arbeitet er als freier Fotograf und widmet sich der Realisierung eigener Projekte. Viele davon wurden mit Stipendien unterstützt und auf Festivals in Europa und Asien ausgestellt. Ein Schwerpunkt seiner Fotografie ist der Kulturkonsum in heutigen Gesellschaften. 2015 war er Finalist beim BIPA (Barcelona International Photography Awards) sowie Teilnehmer bei „Descubrimientos PHotoEspaña“.

Öffnungszeiten: Mo-Do 15-19 Uhr, Fr 12-15 Uhr
Eintritt frei

Ein Projekt des Instituto Cervantes, der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und des Museo Nacional de Escultura (Valladolid, Spanien)
Unterstützt von Pixel Grain, der Junta de Castilla y León
Im Rahmen des European Month of Photography Berlin